Der Lebenszyklus einer Hornisse (Vespa crabro)

März und April

Sobald die Aussentemperaturen steigen und es mehr als 10 Tage über 15 Grad bleibt, beendet die Hornissen Königin die Überwinterungsphase und wacht langsam aus der Winterstarre auf. Sobald Sie ihren geschützten Ort verlassen hat, stärkt sie sich von nahrhaften Pflanzensäften und Blütennektar. Nach ein paar Tagen Nahrungssuche und Stärkung sucht sich die Königin einen sicheren Platz für das zukünftige Nest – dem Hornissenstaat. Dies kann ein hohler Baum, Dachboden, geschützter Hohlraum, Schuppen oder eine hohle Wand sein. Der Nestbau kann nach der anstrengenden Futter- und Standort Suche beginnen. Die Marathon Arbeit der Königin kann beginnen: Der Nestbau Als erstes wird der Zapfen gebaut. Dieser starke und fest gebauter Zapfen dient zur Aufhängung des Nestes. An diesem Zapfen wird der erste Teller mit Brutzellen angebaut. Um diesen ersten Teller und Zapfen werden anschliessend die Aussenhülle gebaut. Die Aussenhülle die den Schutz des Nestes vor Temperaturschwankungen schützt. Das Nest wird von der Hornissen Königin immer gleich warm gehalten; wenn es zu warm ist schützt sie es mit ihrer «Klimaanlage», wenns zu kalt ist mit ihrer «Heizung». Als Klimaanlage transport sie Wassertropfen ins Nest die dann mit den Flügeln angefächert werden. Die Verdunstung des Wassers kühlt das Nest. Als Heizung bewegt die Königin die Flügel, also im Leerlauf und erzeugt somit Wärme. Flach ans Nest gelegt mitten am Wabenstiel kann Sie das Nest so aufwärmen.
Die ersten Larven schlüpfen und müssen gefüttert werden. Immer wieder wird die Königin von den hungrigen Larven, die an den Wabenwänden mit Ihren Kiefern nach Futter kratzen, von ihrer Arbeit des Nestbau unterbrochen.

Mai und Juni

Juni

In dieser Zeit spielt sich unglaubliches in dieser Zelle ab: Nach rund zwei Wochen sind die ersten Larven ausgereift und spinnen sich in einen weissen, dichten Kokon der sie die nächsten zwei Wochen vor der Verwandlung zum Vollinsekt schützen wird. Endlich ist es soweit und die ersten Hornissen Arbeiterinnen schlüpfen. Sie übernehmen anfallende Arbeiten im Hornissen Staat. Beutefang, Nesterweiterung, Brutpflege, Nestklima uvm – Teamwork ist angesagt. Sofwohl die Königin als auch die Arbeiterinnen arbeiten fleissig zusammen. Diese Teamworkarbeit ist nur von kurzer Dauer. Wenn die ersten 10-15 Arbeiterinnen im Nest sind, konzentriert sich die Königin nur noch auf das Eierlegen und wird von ihren Arbeiterinnen geputzt, gepflegt und gefüttert. Die Königin kann sich ab jetzt voll und ganz auf das Eierlegen konzentrieren und ist nun die wahre Herrscherin im Hornissenstaat.
Eiweissreiche Kost (Fleisch) ist nun wichtig für die Larven. Die Arbeiterinnen sorgen jetzt täglich für viel Insektenfleisch. Sie erbeuten Käfer, Wespen und andere Insekten – befreien Sie von Beinen, Kopf und Flügeln und bringen das Futterpacket zu den hungrigen Larven die bereits nach Futter kratzen. Die Hornissen Arbeiterinnen und Königin brauchen hingegen süsse, kohlenydrathaltige Nahrung. Diesen holen sie sich von Blütensaft, Saft von Bäumen oder dem süssen Honigtau der Blattläuse. Wie gut und schnell die Larven gedeihen hängt von der Nestwärme ab. Ein gut isoliertes Nest hat eine Temperatur von ca 30 Grad und weicht maximin 2.5 Grad davon ab. Die Aussenhülle, die wie eine Papierhülle ist, dämmt wie eine Dachisolierung ab und behält so die richtige Temperatur bei Schwankungen der Aussentemperatur. Die Arbeiterinnen übernehmen das Finetuning der Klimaanlage. Die Klimaanlage und die Heizung wird nun in mehrfachausführung gewährleistet.

Juni - August

Juli

Ständig fliegen Arbeiterinnen mit neuem Nestmaterial herbei, welches für das Vergrössern des Nestes vorgesehen ist. Waben und Aussenhülle werden ständig erweitert und erneuert. Das Meterial der Aussenhülle wird für den Wabenbau verwendet – zuerst wird eine innere Schicht gebaut damit das Haushaltsklima beibehalten werden kann, dann die Aussenschicht. Das Metarial der Innenschicht wird fortlaufend für Wabenbau verwendet.

Besonderheiten

… ein Nest wird zu klein – wird eine Filiale gebaut.

Jetzt beginnt die Zeit, in der wir die Wespen und Hornissen bemerken. Sie haben Hunger und kommen in unsere Nähe, an unsere Tische, an unsere Nahrung. Ab August werden grössere Zellen im Nest gebaut. Diese sind für die Geschlechtstiere vorgesehen. Aus Ihnen schlüpfen fruchtbare Weibchen und aus den unbefruchteten Eiern die Männchen. Nach dem Schlüpfen bleiben die Geschlechtstiere noch einige Zeit im Nest, beteiligen sich jedoch nicht am Gemeinschaftsleben, sondern lassen sich von ihren Geschwistern verwöhnen. Mit abgebissenen Flügeln, zerfleddertem Aussehen und ohne Haare, gekennzeichnet vom stressreichen Königinnenleben, verlässt die Königin Hornissenstaat – sofern Sie noch fliegen kann und nicht gleich auf den Boden unter dem Nest landet, streunt noch ein paar Tage im Freien herum bevor sie endgültig stirbt…. ….. meist aber wird die Königin bereits vor Erschöpfung im Nest sterben oder durch die Arbeiterinnen attakiert weil sie keine Eier mehr legen kann. Ihr Körper landet somit auf dem «Abfall» des Hornissen Nestes und wird schliesslich von den Mitbewohnern verwertet. Die Königin hat nun ca 50000 Eier gelegt – ein herzlichen Applaus für diese Glanzleistung.

Juni - Mitte August

September - Oktober

Die Geschlechtstiere verlassen nun den Hornissenstaat – somit zerfällt die soziale Organisation im Staat. Die Paarung geschieht teils im Nest, teils im Freien an bestimmten Plätzen die von den Männchen heimgesucht werden. Die Larven im Nest werden nicht mehr gefüttert – sie werden aus den Zellen gezerrt und zum Teil gefressen. Die verdeckelten Zellen werden geöffnet und die Puppen aus dem Nest geworfen.
Die Nester der Hornissen sind je nach Ortumgebung (Wärme / Kälte) bis Ende November leer. Die befruchteten Königinnen suchen sich ein geeignetes Versteck und überdauern dort bis die totenähnliche Kältestarre sie in die Winterpause versetzen. Die Königinnen sorgen somit für den Fortbestand im nächsten Jahr. Das Heer an Arbeiterinnen stirbt nach sinkenden Nachttemperaturen langsam ab. Damit endet der Zyklus und es schliesst sich der Lebenskeislauf des Hornissen Staates. Viele Hornissen Königinnen schaffen nur wenige das Überleben des Winters – viele sterben in den kalten Zeiten oder werden von anderen Tieren gefunden und gefressen. Somit schafft es nur eine kleine Anzahl Hornissen die eine Neugründung beginnen können – und von denen schaffen es ebenso wenige einen erfolgreichen Staat zu gründen.

Überwinterungsphase