Gemeine Wespe umsiedeln: Ein Wespennest mit Herz Gemeine Wespe (Vespula vulgaris)

Großes Wespennest der Gemeinen Wespe in einem Gebäude
Geöffnetes Nest der Gemeinen Wespe mit mehreren Wabenetagen
Professionelle Umsiedlung eines großen Nestes der Gemeinen Wespe
Waben und Brut eines Nestes der Gemeinen Wespe
Brutwabe der Gemeinen Wespe mit offenen und verdeckelten Brutzellen
Herzförmige Wabe aus einem Nest der Gemeinen Wespe

Gemeine Wespen umgesiedelt – und die Natur schenkt mir ein Herz ❤️

Manche Einsätze bleiben nicht wegen ihrer Schwierigkeit in Erinnerung, sondern wegen eines kleinen Details, mit dem wirklich niemand gerechnet hat.

Bei dieser Umsiedlung eines Volkes der Gemeinen Wespe (Vespula vulgaris) war es genau so: Nachdem das beeindruckende Nest geöffnet und die einzelnen Waben entnommen waren, kam plötzlich etwas zum Vorschein, das man wohl kaum besser hätte planen können.

Mitten im Wespennest lag eine Wabe in Form eines Herzens. ❤️

Zufall? Natürlich.
Aber nach unzähligen Wespen, einem stattlichen Nest und einer aufwendigen Umsiedlung darf man sich trotzdem einreden:

Die Natur hat sich einfach kurz bedankt. 😉

Ein beeindruckendes Bauwerk mitten im Gebäude

Das Nest befand sich in einem geschützten Hohlraum oberhalb von Einbauschränken und hatte dort ideale Bedingungen gefunden.

Von außen war zunächst kaum zu erahnen, welche Dimensionen sich hinter der Verkleidung verbargen.

Nach dem Öffnen zeigte sich ein ausgesprochen großes Nest mit zahlreichen übereinanderliegenden Wabenetagen. Die Nesthülle hatte bereits beeindruckende Ausmaße erreicht. Auf den Bildern lässt sich sehr schön erkennen, wie die einzelnen Waben horizontal übereinander angeordnet sind und von der charakteristischen papierartigen Nesthülle geschützt werden.

Genau solche Situationen zeigen, weshalb ein reger Wespenflug an einer kleinen Öffnung keinesfalls bedeutet, dass sich dahinter auch nur ein kleines Nest befindet.

Die sichtbare Einflugöffnung ist lediglich die Haustüre – das Haus dahinter kann erheblich größer sein.

Typisch Gemeine Wespe: helles Nest mit markanter Struktur

Auch die Bauweise liefert wichtige Hinweise auf die Art.

Die Gemeine Wespe verwendet überwiegend Material aus morschem Holz. Dadurch entsteht die typische beige, ockerfarbene bis hellbraune Nesthülle mit auffälligen muschelartigen Strukturen und Lufttaschen.

Das unterscheidet sie unter anderem von der sehr ähnlichen Deutschen Wespe (Vespula germanica), deren Nestmaterial meist deutlich grauer erscheint.

Die Gemeine Wespe gehört zu den sogenannten Kurzkopfwespen der Gattung Vespula. Ihre Nester befinden sich typischerweise verborgen in dunklen Hohlräumen – beispielsweise in Erdlöchern, ehemaligen Mäusegängen, Rollladenkästen, Dachbereichen oder hinter Wand- und Gebäudeverkleidungen.

Und dann kam das Herz … ❤️

Beim Zerlegen und Sichern der Waben fiel schließlich dieses besondere Stück auf.

Eine der Waben war nahezu perfekt herzförmig gewachsen.

Keine Schablone.
Kein Photoshop.
Kein Valentinstags-Sondermodell der Wespen. 😉

Einfach das Ergebnis des natürlichen Nestbaus.

Gerade bei großen Nestern entstehen durch die räumlichen Gegebenheiten und die Erweiterung der Waben teilweise ungewöhnliche Formen. Dieses Exemplar hat es allerdings ziemlich genau getroffen.

Nach einem solchen Einsatz ein Herz aus einem Wespennest in den Händen zu halten, ist auch für mich nicht gerade alltäglich.

Und ja – dieses Stück wird selbstverständlich aufbewahrt.

Was in diesen Waben steckt

Besonders faszinierend ist der Blick auf die entnommenen Brutwaben.

In den sechseckigen Zellen befinden sich verschiedene Entwicklungsstadien der nächsten Wespengeneration. Zahlreiche Zellen sind bereits mit hellen Deckeln verschlossen. Darunter befinden sich Puppen, in denen die Entwicklung zur fertigen Wespe abgeschlossen wird.

Andere Zellen enthalten noch Larven.

Eine solche Wabe ist damit praktisch eine Momentaufnahme des gesamten Entwicklungsprozesses eines Wespenvolkes.

Von außen sieht man häufig lediglich Tiere ein- und ausfliegen. Im Inneren läuft währenddessen eine hochorganisierte Produktion der nächsten Generation.

Der Lebenszyklus der Gemeinen Wespe

Der gesamte Staat beginnt im Frühjahr mit einem einzigen Tier: der überwinterten Jungkönigin.

Etwa ab April verlässt sie ihr Winterquartier und sucht einen geeigneten Nistplatz. Die ersten Zellen und die erste Nesthülle baut sie noch vollständig alleine. Sie legt die ersten Eier, versorgt die daraus schlüpfenden Larven und beschafft gleichzeitig Baumaterial und Nahrung.

Erst wenn die ersten Arbeiterinnen etwa ab Mai geschlüpft sind, ändert sich die Aufgabenverteilung grundlegend.

Die Arbeiterinnen übernehmen nun unter anderem:

Nestbau, Brutpflege, Nahrungssuche und Verteidigung des Volkes.

Die Königin konzentriert sich zunehmend auf die Eiablage.

Damit beginnt ein enormes Wachstum.

Aus einer Königin werden Tausende Wespen

Während im Frühjahr alles mit einer einzigen Königin beginnt, kann ein Volk der Gemeinen Wespe im Laufe des Sommers mehrere Tausend Tiere umfassen.

Die Hauptentwicklung findet insbesondere zwischen Juli und September statt. Gerade in dieser Phase werden die Nester massiv erweitert und immer neue Wabenetagen angelegt.

Das erklärt auch die Dimension des Nestes bei diesem Einsatz.

Was irgendwann im Frühjahr mit wenigen kleinen Zellen begonnen hat, ist innerhalb weniger Monate zu einem komplexen Gebilde mit zahlreichen Etagen und Tausenden Brutzellen herangewachsen.

Und das alles ohne Bauplan, Wasserwaage oder Akkuschrauber.

Handwerklich muss man den Damen durchaus Respekt zollen. 😉

Warum Gemeine Wespen im Spätsommer plötzlich überall auftauchen

Im August und September erreicht das Volk seinen Höhepunkt.

Gleichzeitig verändert sich die Situation innerhalb des Nestes. Die Gemeine Wespe sucht jetzt verstärkt nach kohlenhydratreicher Nahrung und wird dadurch häufiger an unseren Tischen sichtbar.

Süße Getränke, Obst, Kuchen oder Marmelade sind ausgesprochen interessant. Für die Versorgung der Brut werden dagegen eiweißreiche Nahrungsquellen benötigt – beispielsweise Fliegen, andere Insekten oder Fleisch.

Deshalb gehören gerade die Gemeine und die Deutsche Wespe zu den Arten, die uns Menschen beim Grillieren oder am Gartentisch regelmäßig besuchen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Wespe grundsätzlich aggressiv ist.

Entscheidend ist die Situation.

Am Nest besteht eine vollkommen andere Verteidigungsbereitschaft als bei einem einzelnen Tier, das lediglich auf Nahrungssuche ist.

Wird ein großes Nest erschüttert, geöffnet oder anderweitig massiv gestört, können Alarmpheromone eine schnelle Verteidigungsreaktion zahlreicher Arbeiterinnen auslösen.

Deshalb sollten insbesondere versteckte Vespula-Nester nicht eigenmächtig geöffnet werden.

Im Herbst endet der Wespenstaat

Der Höhepunkt eines solchen Volkes ist gleichzeitig der Beginn seines Endes.

Im späteren Jahresverlauf werden neue Königinnen und Männchen hervorgebracht. Nach der Paarung suchen sich die begatteten Jungköniginnen geeignete geschützte Plätze zur Überwinterung.

Die alte Königin, die Arbeiterinnen und die Männchen sterben dagegen nach und nach ab.

Bei der Gemeinen Wespe liegt das reguläre Volkende etwa im Oktober; in warmen und geschützten Gebäudebereichen können Vespula-Völker allerdings auch deutlich länger aktiv bleiben und teilweise bis in den November hinein bestehen.

Das alte Nest wird im folgenden Jahr nicht wieder als vollständiger Wespenstaat bezogen.

Im nächsten Frühjahr beginnt eine junge Königin den gesamten Zyklus wieder von vorne.

Eine Königin.
Ein paar winzige Zellen.
Und wenige Monate später kann daraus ein Bauwerk wie auf diesen Bildern entstehen.

Erfolgreich umgesiedelt 🌳

Bei diesem Einsatz konnte das Volk mitsamt seinen Brutwaben umgesetzt werden.

Das Ziel einer fachgerechten Umsiedlung besteht nicht einfach darin, die erwachsenen Wespen irgendwohin zu transportieren. Entscheidend ist, möglichst viel von der vorhandenen Brut und der funktionierenden Struktur des Volkes zu erhalten und den Tieren am neuen Standort die Möglichkeit zu geben, ihre Entwicklung fortzusetzen.

Der neue Standort befindet sich fernab des ursprünglichen Konfliktbereichs in geeigneter natürlicher Umgebung.

Damit endet der Einsatz nicht mit der Zerstörung eines beeindruckenden Wespenstaates, sondern mit dessen zweiter Chance an einem neuen Standort.

Und als kleine Erinnerung an diesen Einsatz blieb etwas ganz Besonderes zurück:

❤️ Ein Herz aus einem Wespennest

Ich beschäftige mich jedes Jahr mit unzähligen Bienen-, Wespen- und Hornissenvölkern. Trotzdem schafft es die Natur immer wieder, einen zu überraschen.

Dieses Mal eben mit einer herzförmigen Wabe.

Vielleicht war es einfach nur Zufall.

Aber manchmal darf man einen Zufall auch einfach schön finden. ❤️


Weitere Informationen zur Gemeinen Wespe

Ausführliche Informationen über die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris), ihre Erkennungsmerkmale, Nestbauweise, Lebensweise und die Unterschiede zu anderen Kurzkopfwespen finden Sie hier:

Gemeine Wespe & Kurzkopfwespen – Arteninformationen